Unterwegs mit der Stadtteilgruppe Altona
Komponisten-Quartier: Musikgeschichte hautnah
Am 19. März 2019 fanden sich VHSt-Mitglieder der Stadtteilgruppe Altona im Komponisten-Quartier zu einer einstündigen Führung auf den Spuren von mehr als 230 Jahren musikalischer Genialität ein.
Das Komponisten-Quartier
Seit dem letzten Jahr wurde der Museumsverbund des KomponistenQuartiers, das 1971 mit dem Brahms-Museum begann, um zwei weitere Museen erweitert. Musikfreunde aus der ganzen Welt können nun in den historisch rekonstruierten Hamburger Bürger- und Kaufmannshäusern im Gängeviertel Georg Philipp Telemann, Carl Philipp Emanuel Bach, Johann Adolf Hasse, Johannes Brahms, Gustav Mahler sowie Fanny und Felix Mendelssohn begegnen. Originale Noten, Entwürfe von Bühnenbildern, Konzertprogramme, Briefe und vieles mehr geben Einblicke in die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Komponisten. Zudem werden Bezüge zur Stadtgeschichte hergestellt, politische Hintergründe, geistes- und sozialgeschichtliche Zusammenhänge aufgezeigt und so manche musikalische Entwicklungen nachvollziehbar.
Komponisten-Quartier Hamburg e. V.
Peterstraße 28, 20355 Hamburg
Telefon: (040) 63 60 78 82
www.komponistenquartier.de
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10 bis 17 Uhr
Eintrittspreise:
9 Euro, ermäßigt 7 Euro
Carl Philipp Emanuel Bach Museum
Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788) war der zweite Sohn Johann Sebastian Bachs und gleichzeitig auch sein talentiertester, der dem musikalischen Genie seines Vaters in nichts nachstand. Bach komponierte Musik verschiedener Gattungen, verfasste das musikalische Lehrbuch Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen, mit dem er die Technik des modernen Klavierspielens revolutionierte. Carl Philipp Emanuel Bach wurde zum Hauptvertreter des sogenannten empfindsamen Stils. Auch wenn der Komponist ursprünglich aus Weimar stammte, prägte er von 1768 bis zu seinem Tod 1788 ganze 20 Jahre lang die künstlerische Entwicklung der Hansestadt. Bis in seine letzten Lebensjahre war Bach als Musiker und Komponist aktiv und wurde in der Krypta des Michels beigesetzt.
Brahms-Museum
Der im Hamburger Gängeviertel geborene Johannes Brahms (1833-1897) wurde von seinem Vater, einem Berufsmusiker, schon früh an die Musik herangeführt. Mit 15 Jahren trat er erstmals als Komponist vor das Hamburger Publikum und begann eine unvergleichbare Karriere als bedeutendster Musiker der Hansestadt. Robert Schumann, mit dem ihn eine tiefe Freundschaft verband, war ihm dabei eine große Hilfe. Brahms Werk umfasst nahezu sämtliche musikalische Gattungen und zeichnet sich durch einen einzigartigen Stil und höchste kompositorische Raffinesse aus. Auch wenn er 1863 endgültig nach Wien zog, wo er zuletzt als Artistischer Direktor der Gesellschaft der Musikfreunde und Leiter des Wiener Singvereins tätig war, war seine Liebe zu seiner Heimatstadt stets ungebrochen.
Telemann-Museum
Georg Philipp Telemann (1681-1767) wurde zwar nicht in Hamburg geboren, prägte aber 46 Jahre lang von 1721 bis zu seinem Tod das musikalische Leben der Hansestadt als Director musices, Kantor am Johanneum und künstlerischer Leiter der Hamburger Gänsemarktoper. Telemann gilt als einer der produktivsten Komponisten der Musikgeschichte. Allein in seiner Zeit als Kapellmeister in Sorau und Hofkapellmeister in Eisenach entstanden bis 1712 mehr als 200 Overturen und Suiten. Das Hamburger Telemann-Museum ist das weltweit einzige und setzt der Arbeit und dem Leben des Komponisten ein würdiges Denkmal.
Johann Adolf Hasse Museum
Der in Bergedorf geborene Johann Adolf Hasse (1699-1783) verbrachte seine jungen Jahre in der Hansestadt und begann von hier seine internationale Karriere als einer der bedeutendsten Opernkomponisten an der Schwelle zur frühen Klassik. Insbesondere seine Opere serie gelten zusammen mit den Libretti von Pietro Metastasio als Höhepunkte ihrer Gattung. Auch auf dem Gebiet der Kirchenmusik schuf Hasse mit Oratorien, Messen und Vertonungen liturgischer Texte herausragende Werke.
Fanny & Felix Mendelssohn Museum
Die Geschwister Fanny Hensel (1805- 1847) und Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), Kinder einer jüdischen Familie, waren hochbegabte Musiker. Fanny, eine Pianistin, Komponistin und Musikorganisatorin, hinterließ mehr als 400 Liedkompositionen. Felix, ein gefeiertes Wunderkind, komponierte schon mit 16 Jahren ein Oktett und die Ouvertüre zum Sommernachtstraum und wurde mit 26 Jahren Kapellmeister des Leipziger Gewandhausorchesters. Leben und Arbeit der Geschwister sind von der Bedeutung und dem Einfluss jüdischer Familien auf das deutsche Kulturleben unzertrennbar, was in der Ausstellung ebenfalls beleuchtet wird.
Gustav Mahler Museum
Das Gustav Mahler Museum widmet sich dem Leben und Wirken des Künstlers (1860-1911), dem eine Doppelkarriere als hochberühmter Dirigent und Komponist gelang, und der einen entscheidenden Schritt in Richtung Moderne machte. In seiner Zeit als Erster Kapellmeister des Stadttheaters (heute Staatsoper) in Hamburg von 1891 bis 1897 entstanden zwei seiner Symphonien, darunter die "Auferstehungssymphonie", zu der er 1894 in der St. Michaeliskirche inspiriert wurde. Im Jahr 1897 konvertierte er vom jüdischen zum katholischen Glauben, was ihm den Weg zur Berufung als Direktor an der Wiener Hofoper eröffnete. Als Dirigent feierte Mahler in Wien und später in New York seine größten Erfolge, während er als Komponist erst post mortem zum weltweiten Idol wurde.
Autor: VHSt
Fotos: Joachim Meyer, Komponisten-Quartier: Aloys Kiefer, Ulrich Perrey, Arnd Hoffmann
HBZ · 05/2019
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