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Adipositas

Hilfe bei krankhaftem Übergewicht

Fettleibigkeit ist kein Figurproblem, sondern eine Gesundheitsstörung, die zahlreiche Folgeerkrankungen wie u. a. Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach sich ziehen kann.

Hilfe bei krankhaftem Übergewicht
Foto: © Adobe Stock / JPC-PROD
Laut der WHO ist man ab einem Body-Mass-Index (BMI = Körpergewicht/(Körpergröße in m)²) von 25 übergewichtig und ab 30 adipös. Die Behandlungen sind teilweise sehr riskant, weshalb wir sie Ihnen hier einmal vorstellen.

Das übernimmt die Kasse


Bei stark Adipösen ab einem BMI von 40 oder 35 mit Begleiterkrankungen werden die Kosten für operative Eingriffe in der Regel voll übernommen, sofern der Patient aktiv zur Genesung beiträgt. Bei der Basistherapie werden meistens nur Anteile der Therapiemaßnahmen übernommen und bei einer Medikamententherapie grundsätzlich nichts. Auch Kosten für Folgen wie die Entfernung von Hautlappen durch zu schnellen Gewichtsverlust werden meistens nicht übernommen. Eine Fettabsaugung (Liposuktion) ist keine Therapieoption und wird ebenfalls nicht übernommen, da nur lokal kleinere Fettmengen abgesaugt werden. Zudem wächst das Fett an anderen Körperstellen nach, wenn die Lebensweise nicht verändert wird.

Basistherapie


Nach erfolgter Adipositas-Diagnose wird der Arzt zu einer Adipositas-Therapie mit einer Kombination von Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie raten, die stationär in einer Kur oder ambulant durchgeführt werden kann. Diese Therapie hat keine negativen Nebenwirkungen und ist immer die beste Möglichkeit. Auch wenn das Ziel nicht allein durch diese Basistherapie erreicht wird, ist sie begleitend unerlässlich.

Medikamentöse Therapie


Frei verkäufliche Mittel zur Gewichtsabnahme wirken meist nicht und sind oft gefährlich. Bei den verschreibungspflichtigen Medikamenten handelt es sich um Appetitzügler, Fettbinder und Kombinationspräparate. Appetitzügler wirken nur über einen kurzen Zeitraum und verursachen häufig Herzrasen. Bei den Fettbindern treten bei fettreicher Nahrung unangenehme Nebenwirkungen wie Fettstühle und starke Blähungen auf. In beiden Fällen ist eine Gewichtsreduktion von drei bis vier Prozent möglich. Mit Kombipräparaten wird der Appetit gezügelt und die Magenentleerung herausgezögert. Sie können eine Gewichtsreduktion von bis zu acht Prozent erreichen, stehen aber im Verdacht, Bauchspeicheldrüsenkrebs zu begünstigen.

Magenballon - endoskopisch


Der Silikonballon wird im leeren Zustand geschluckt und mit Gas gefüllt oder unter leichter Narkose über die Speiseröhre eingeführt und über einen Katheter mit Wasser aufgefüllt. So wird das Magenvolumen stark reduziert. Nach drei bis zwölf Monaten wird der Ballon wieder entnommen. So kann bei einem halben Jahr Tragezeit ein Gewichtsverlust von durchschnittlich zehn bis 30 kg erzielt werden. Die Kosten für diesen Eingriff, der ab einem BMI von 30 möglich ist, betragen zwischen 2.000 und 4.000 Euro und werden in der Regel nur bei stark adipösen Menschen mit einem BMI von mehr als 40, bei denen Operationen zu riskant wären, von Krankenkassen übernommen. Die gesundheitlichen Risiken sind minimal.

Magenband- und Schrittmacher - minimalinvasiv


Ein Magenband aus Silikon wird von außen durch eine Bauchspiegelung unter Vollnarkose um den oberen Teil des Magens gelegt und verbleibt dort im Körper, kann aber auch wieder entfernt werden. So wird das Fassungsvermögen des Magens verringert und die Verdauung verlangsamt. In der Regel wird eine maximale Reduzierung des Übergewichts von 50 Prozent erreicht. Bei dieser Operation besteht neben den normalen Risiken einer Vollnarkose u. a. auch das Risiko, dass sich der Vormagen ausdehnt. Das System eines Magenschrittmachers sorgt für ein dauerhaft schnelleres Sättigungsgefühl und ermöglicht es, ein Profil des Ernährungsverhaltens aufzuzeichnen. Es wird minimalinvasiv implantiert, hat aber keine Auswirkung auf die Größe des Magens. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für Band und Schrittmacher, wenn die medizinische Notwendigkeit ausreichend belegt wurde.

Schlauchmagen - großer invasiver Eingriff


Bei einer Schlauchmagenoperation wird der Magen auf 10 Prozent seiner ursprünglichen Größe verkleinert. Der Eingriff ist nicht reversibel. In kürzester Zeit wird das Übergewicht so um bis zu 70 Prozent reduziert. Folgeerkrankungen der Adipositas wie Diabetes Typ 2 verbessern sich oder verschwinden ganz. Wenn man danach jedoch nicht auf die Inhaltsstoffe seiner Nahrung achtet, entstehen durch die kleinen Portionen schnell Mangelerscheinungen. Bei Menschen, die trotzdem viel essen, kann sich der Magen auch wieder ausdehnen. Darüber hinaus birgt der Eingriff alle Risiken einer großen Operation.

Magenbypass und biliopankreatische
Teilung


Anders als beim Schlauchmagen wird der Restmagen bei einem Magenbypass nicht vollständig entfernt und produziert weiterhin Verdauungssäfte. Außerdem wird der Dünndarm so umgeleitet (Bypass), dass sich Nahrung und Verdauungssäfte erst später im Dünndarm vermengen können. Daher kann ein Teil der Kalorien nicht verdaut werden, was eine rasante Gewichtsabnahme zur Folge hat. Ist das Ergebnis nicht zufriedenstellend, kommt die biliopankreatische Teilung zum Einsatz. Diese Kombination aus Magenverkleinerung und Dünndarmumleitung gilt als effektivste Methode. Neben den Risiken einer großen Operation kann es hier zu Mangelerscheinungen, Durchfällen, Fettstühlen und Kreislaufabfällen mit plötzlicher Darmentleerung kommen.


Autor: VHSt

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HBZ · 02/2019

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