Konsulatsstadt Hamburg Teil 6: Spanien
Hanseatisch-iberische Beziehungen
Hamburgs Verbindungen zu Spanien und seinem früheren Kolonialimperium reichen zurück bis ins Mittelalter. Mit kontinuierlichen Entwicklungen auf allen Ebenen der Wirtschaft, der Politik und des gesellschaftlichen Lebens pflegt die Hansestadt bis heute eine enge Verbundenheit zum spanischen Königreich, die immer von Respekt und einem gegenseitigen Geben und Nehmen geprägt war.
Anerkennung der protestantischen Hanseaten
Bis zum Ende des Mittelalters wickelten die hanseatischen Kaufleute den Handel mit dem spanischen Königshaus über das Kontor der Hanse in Brügge ab. Erst mit der Entdeckung Amerikas und den damit verbundenen weiteren Entwicklungen stieg in der Mitte des 16. Jahrhunderts das Interesse der Mitteleuropäer an Waren aus dem spanischen Kolonialreich. Die Hansestädter suchten nach Lösungswegen, direkte Handelsbeziehungen mit den Spaniern zu vertiefen. Der erste direkte Handelsvertrag mit dem spanischen König Philipp dem Dritten wurde vom Hamburger Hieronymus Vogler, dem Lübecker Ratsherren Heinrich Brockes, dem Syndikus der Hanse, Johann Domann, und dem aus Danzig angereisten Arnold von Holten im Jahre 1606 am Hof von Madrid unterzeichnet. Hierdurch erlangte die Hanse direkten Zugang zum spanischen Überseehandel. Eine endgültige Anerkennung der protestantischen Hanseaten und damit wesentlich bessere Handelskonditionen traten erst mit dem Westfälischen Frieden zum Ende des Dreißigjährigen Krieges in Kraft und die erste ständige hanseatische Vertretung am spanischen Hof wurde eingerichtet.
Besonders Hamburg konnte in der Folge vom Handel mit Spanien profitieren und zählte in der gesamten spanischsprachigen Welt neben Amsterdam und London zu den wichtigsten Häfen. Unter diesen Voraussetzungen entwickelte sich die sehr enge Verbindung Hamburgs mit den unter spanischer Herrschaft stehenden Regionen Lateinamerikas und der Karibik. Aus diesem Grund ließen sich nun auch die ersten Zuwanderer aus Spanien in der liberalen Hansestadt nieder und gingen von hier aus ihren Handelsgeschäften nach. Im Jahr 1827 war es Hamburg, die als allererste Stadt die Unabhängigkeit etlicher Staaten Südamerikas, darunter beispielsweise Mexiko oder Brasilien, anerkannte.
Spanische Kultur in der Hansestadt
Zu Zeiten, als der Hamburger Hafen boomte, und mit dem Beginn des Wirtschaftswunders kamen weitere Arbeitskräfte aus Spanien an die Elbe. Heute zählt die spanische Gemeinde in Hamburg etwa 7.000 Einwohner. Nicht nur touristisch, sondern auch in Wissenschaft und Kultur gibt es viele Kooperationen, die in einigen Bereichen auch vom spanischen Generalkonsulat unterstützt werden. Ein Beispiel ist das im UNESCO-Weltkulturerbe Chilehaus ansässige Instituto Cervantes Hamburgo, das zur Förderung der spanischen Sprache und der Kulturverbreitung begründet wurde. Im gleichen Haus befindet sich auch die Agrupación de Lengua y Cultura Españolas de Hamburgo (ALCE), der Verband für spanische Sprache und Kultur in Hamburg. Um kirchliche Belange kümmert sich die katholische spanischsprachige Mission in der Lübecker Straße. Es gibt vier bilinguale deutschspanische Schulen in Hamburg, die auch Aktivitäten wie Schüleraustausch und Theatergruppen anbieten und vom spanischen Erziehungsministerium unterstützt werden.
Erfahrener Generalkonsul in Hamburg
Im Mittelweg 37 befindet sich das Generalkonsulat von Spanien, das neben Hamburg auch für Bremen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern und die dort lebenden rund 27.000 Spanierinnen und Spanier zuständig ist. In der Langen Reihe 2 sitzt zusätzlich die Dienststelle für Arbeit, Migration und Sozialversicherung des Generalkonsulats. Amtierender Generalkonsul seit 2017 ist Pedro Villena Pérez.
Der studierte Jurist wurde 1955 in Valencia geboren. Er war bereits als Konsul in Düsseldorf, als Gesandter der spanischen Botschaft in Berlin und als Generalkonsul in Frankfurt tätig. "Wir pflegen enge Beziehungen zur Botschaft und Berlin und den Generalkonsulaten Spaniens in Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart und München. Außerdem arbeiten wir eng mit den Cervantes-Instituten Hamburg und Bremen zusammen", sagt Villena Pérez.
Flamenco, Tapas und viel mehr erleben
In der Hansestadt finden sich zahlreiche Locations, um ein Stück des unbeschwerten Lebensgefühls, des Temperaments, des Tanzes und der herrlichen Gastronomie zu erleben. Tipps aus der Redaktion sind das Café Altamira in Ottensen, in dem auch immer mal Flamencotänzerinnen wie Las Margaritas auftreten. Für ein authentisches Speisenangebot und einen guten Wein sorgen sehr viele spanische Restaurants. Wir empfehlen beispielsweise die Bodega Olé an der Börsenbrücke, das Casa Ricardo in der Rambachstraße oder das Picasso in der Rathausstraße gleich beim Vereinsbüro.
Bildergalerie
Zum Vergrößern Bild anklicken.
Autor: Samira Aikas
Quellen: Generalkonsulat von Spanien in Hamburg, Hamburg.de, Institut Cervantes
Fotos: Samira Aikas
HBZ · 03/2022
Weitere Artikel aus der Rubrik "Top-Themen":
Das Hamburg-Rätsel
Auf welchem Gebäude thront diese Weltkugel?
Liebe Leserin und lieber Leser, mit unserem Hamburg-Rätsel können Sie testen, wie gut Sie Hamburg kennen. ...HBZ · 1/2024
Aufgeblättert: Buchtipp
Fußball-Ikone: 'Uns Uwe'
Uwe als Buttje mit Lederball, Uwe auf Schneeboden im Stadion Rothenbaum, Uwe im Nationaldress, Uwe beim Autogrammschreiben, Uwe mit 'Vadder' Erwin, Mutter Anny und Schwes ...HBZ · 1/2024
Geschichten aus Hamburgs Geschichte
Das Wappentier
Die Alsterschwäne symbolisieren seit Jahrhunderten Hamburgs Unabhängigkeit. ...HBZ · 1/2024
VHSt Literaturkurs Frühjahr 2024
Exilliteratur. Von Südfrankreich nach Amerika
Im neuen Jahr starten wir mit einem Klassiker der Exilliteratur: Anna Seghers Transit (1944). ...HBZ · 1/2024
Ihr Recht in der Praxis
Höhergruppierung von Tarifangestellten
Einige von Ihnen haben die kostenlose Rechtsberatung für Mitglieder des VHSt bei der Kanzlei von Harten bereits wahrgenommen und uns sehr positive R&uum ...HBZ · 1/2024
Entstehung und Zwischenbilanz
Der neue Hamburg Service vor Ort
Schlechte Nachrichten schreckten 2016 den rot-grünen Senat auf: 'Kundenzentren laufen Mitarbeiter weg', titelte eine Zeitung, 'Keine Termine mehr für Bür ...HBZ · 1/2024





