Geschichtswerkstatt Ottensen
Das Stadtteilarchiv Ottensen
In einer denkmalgeschützten ehemaligen Drahtstiftefabrik hat das Stadtteilarchiv Ottensen - Geschichtswerkstatt für Altona e. V. seit 1987 seine Heimat.
Anfassen und Erleben
Das Stadtteilarchiv beherbergt eine umfangreiche Sammlung von Fotos, Dokumenten und Zeitungsausschnitten zur Regionalgeschichte der ehemals selbstständigen Großstadt Altona. Einzigartig ist die Ottenser Geschichtswerkstatt aber nicht nur, weil sie 1980 die erste ihrer Art war. In der Dauerausstellung kann man auch anhand der Herstellung von Drahtstiften den Prozess der Industrialisierung in Ottensen hautnah nacherleben. Im Kesselhaus, dem zweiten Gebäude des Ensembles, finden Ausstellungen und Kulturveranstaltungen statt.
Aktivitäten und Projekte
In den Anfängen begann eine kleine Gruppe, bei der Vorbereitung der Ausstellung "Ottensen - Zur Geschichte eines Stadtteils" im Altonaer Museum die Bewohner des Viertels einzubeziehen und Geschichte aus dem Elfenbeinturm der Wissenschaft zu holen. Die zahlreichen Themenschwerpunkte von damals sind heute noch aktuell: Stadtgeschichte, Industriegeschichte, Arbeiterbewegung, Nationalsozialismus, Frauengeschichte, jüdische Geschichte und vieles mehr. Das Archiv ist für alle zugänglich und wird vor allem von Stadtteilbewohnern, Studenten, Historikern und Behörden genutzt. "Wir sind auch außerschulischer Lernort und arbeiten eng mit Altonaer Schulen zusammen", sagt Burkhart Springstubbe, 1. Vorsitzender des Vereins. Das Mural auf der Wand im Innenhof entstand beispielsweise aus einem Projekt mit der Max-Brauer-Schule.
Neuausrichtung und Aktuelles
Seit 2017 die langjährige Geschäftsführerin Brigitte Abramowski in den Ruhestand ging, läuft ein Generationenwechsel und Umstrukturierungsprozess. Die letzte Ausstellung im Kesselhaus "Eine Stadt wird bunt" über Graffitikunst der 1980er-/1990er-Jahre zog viele Interessierte an. Gab es dadurch neue Mitglieder? "Nein, bisher noch nicht, aber das kommt hoffentlich noch", sagt Springstubbe. Fragen zur Digitalisierung und andere, die sich schon vorher stellten, wurden durch die Pandemie noch aktueller. "Wie erreicht man alle im Stadtteil? Was hat sich verändert und wie können wir uns darauf einstellen? Wie wird die Geschichtswerkstatt von außen als Potenzial im Stadtteil erkennbar? Wir sind mitten in einer Reform und gehen strukturierter und kleinteiliger an die Herausforderungen heran. Jede Interessengruppe braucht eine individuelle Ansprache", sagt Janina Kriszio, Vorstandsmitglied und Kulturwissenschaftlerin.
Kampagnen in sozialen Medien seien ein Weg, aber viel laufe über Projekte und Sichtbarkeit im Stadtteil. "Ende Oktober haben wir eine Gedenktafel zum ersten Gefangenentransport politischer Häftlinge 1933 in das KZ Esterwegen am Originalplatz im Wohngebiet Neue Mitte Altona aufgestellt. Elf solcher Tafeln gibt es schon", sagt Springstubbe.
Stadtteilarchiv Ottensen - Geschichtswerkstatt für Altona e.V.
Zeißstraße 28
Tel.: (040) 390 36 66
www.stadtteilarchiv-ottensen.de
Raum zum Mitmachen
Im Archiv, der Bibliothek oder bei Führungen sind ehrenamtlich Helfende herzlich willkommen. Auch für die AG Zeitzeugen wird Unterstützung gesucht. Deren Fokus liegt auf den späten 1970ern und frühen 1980ern, als das Stadtteilarchiv Ottensen entstand. Interessierte VHSt-Mitglieder sind herzlich zum Mitmachen eingeladen.
Bildergalerie
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Autor: Samira Aikas
Quellen: Stadtteilarchiv Ottensen - Geschichtswerkstatt für Altona e.V.
Fotos: Samira Aikas
HBZ · 11/2022
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