VHSt - Hamburgischer Verein für den öffentlichen Dienst
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Geschichtswerkstatt Ottensen

Das Stadtteilarchiv Ottensen

In einer denkmalgeschützten ehemaligen Drahtstiftefabrik hat das Stadtteilarchiv Ottensen - Geschichtswerkstatt für Altona e. V. seit 1987 seine Heimat.

Das Stadtteilarchiv Ottensen
Hoffnungsschimmer: Finanzsenator Andreas Dressel hat sich in Gesprächen als Eisenbahnfreund geoutet, Foto: © Samira Aikas
Es ist Forschungsstelle für Vergangenheit und Gegenwart des Bezirks Altona mit dem Schwerpunkt auf dem Stadtteil Ottensen. Und eine lebendige Begegnungsstätte, die sich als Gedächtnis des Stadtteils versteht.

Anfassen und Erleben


Das Stadtteilarchiv beherbergt eine umfangreiche Sammlung von Fotos, Dokumenten und Zeitungsausschnitten zur Regionalgeschichte der ehemals selbstständigen Großstadt Altona. Einzigartig ist die Ottenser Geschichtswerkstatt aber nicht nur, weil sie 1980 die erste ihrer Art war. In der Dauerausstellung kann man auch anhand der Herstellung von Drahtstiften den Prozess der Industrialisierung in Ottensen hautnah nacherleben. Im Kesselhaus, dem zweiten Gebäude des Ensembles, finden Ausstellungen und Kulturveranstaltungen statt.

Aktivitäten und Projekte


In den Anfängen begann eine kleine Gruppe, bei der Vorbereitung der Ausstellung "Ottensen - Zur Geschichte eines Stadtteils" im Altonaer Museum die Bewohner des Viertels einzubeziehen und Geschichte aus dem Elfenbeinturm der Wissenschaft zu holen. Die zahlreichen Themenschwerpunkte von damals sind heute noch aktuell: Stadtgeschichte, Industriegeschichte, Arbeiterbewegung, Nationalsozialismus, Frauengeschichte, jüdische Geschichte und vieles mehr. Das Archiv ist für alle zugänglich und wird vor allem von Stadtteilbewohnern, Studenten, Historikern und Behörden genutzt. "Wir sind auch außerschulischer Lernort und arbeiten eng mit Altonaer Schulen zusammen", sagt Burkhart Springstubbe, 1. Vorsitzender des Vereins. Das Mural auf der Wand im Innenhof entstand beispielsweise aus einem Projekt mit der Max-Brauer-Schule.

Das Stadtteilarchiv Ottensen
Burkhart Springstubbe und Janina Kriszio im urigen Archiv der Geschichtswerkstatt Ottensen, Foto: © Samira Aikas

Neuausrichtung und Aktuelles


Seit 2017 die langjährige Geschäftsführerin Brigitte Abramowski in den Ruhestand ging, läuft ein Generationenwechsel und Umstrukturierungsprozess. Die letzte Ausstellung im Kesselhaus "Eine Stadt wird bunt" über Graffitikunst der 1980er-/1990er-Jahre zog viele Interessierte an. Gab es dadurch neue Mitglieder? "Nein, bisher noch nicht, aber das kommt hoffentlich noch", sagt Springstubbe. Fragen zur Digitalisierung und andere, die sich schon vorher stellten, wurden durch die Pandemie noch aktueller. "Wie erreicht man alle im Stadtteil? Was hat sich verändert und wie können wir uns darauf einstellen? Wie wird die Geschichtswerkstatt von außen als Potenzial im Stadtteil erkennbar? Wir sind mitten in einer Reform und gehen strukturierter und kleinteiliger an die Herausforderungen heran. Jede Interessengruppe braucht eine individuelle Ansprache", sagt Janina Kriszio, Vorstandsmitglied und Kulturwissenschaftlerin.

Kampagnen in sozialen Medien seien ein Weg, aber viel laufe über Projekte und Sichtbarkeit im Stadtteil. "Ende Oktober haben wir eine Gedenktafel zum ersten Gefangenentransport politischer Häftlinge 1933 in das KZ Esterwegen am Originalplatz im Wohngebiet Neue Mitte Altona aufgestellt. Elf solcher Tafeln gibt es schon", sagt Springstubbe.

Stadtteilarchiv Ottensen - Geschichtswerkstatt für Altona e.V.


Zeißstraße 28
Tel.: (040) 390 36 66
www.stadtteilarchiv-ottensen.de


Das Stadtteilarchiv Ottensen
Produktionsprozesse auf historischen Maschinen vom Draht zum fertigen Nagel, Foto: © Samira Aikas
Der alte Wasserturm auf dem ehemaligen Bahngelände mitten in der Neuen Mitte Altona ist ein aktuelles Sorgenkind. Er gehört der Stadt und verfällt zusehends. Das Team des Stadtteilarchivs Ottensen setzt alles daran, das Baudenkmal zu erhalten. Außerdem laufen gerade die Vorbereitungen zur Buchveröffentlichung des neuesten Titels: Max Brauer - die Altonaer Jahre 1887-1933 erscheint im Dezember im Vergangenheitsverlag. Es beleuchtet Max Brauers Kindheit, Jugend und Zeit als Oberbürgermeister von Altona. Im kommenden März erscheint auch das Buch Altonaer Bahngeschichte(n), eine überarbeitete Fassung des bereits 2006 erschienenen und vergriffenen Buchs der Geschichtswerkstatt.

Raum zum Mitmachen


Im Archiv, der Bibliothek oder bei Führungen sind ehrenamtlich Helfende herzlich willkommen. Auch für die AG Zeitzeugen wird Unterstützung gesucht. Deren Fokus liegt auf den späten 1970ern und frühen 1980ern, als das Stadtteilarchiv Ottensen entstand. Interessierte VHSt-Mitglieder sind herzlich zum Mitmachen eingeladen.

Bildergalerie


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Autor: Samira Aikas

Quellen: Stadtteilarchiv Ottensen - Geschichtswerkstatt für Altona e.V.

Fotos: Samira Aikas

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HBZ · 11/2022

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