
Erinnerungsarbeiter
Uwe Timm erhält Lessing-Preis
Uwe Timm bei der Preisverleihung im Thalia Theater, Foto: (c) Krafft Angerer
Am 23. Januar 2022 wurde der Schriftsteller Uwe Timm mit dem Lessing-Preis der Stadt Hamburg ausgezeichnet.
Der gebürtige Hamburger verfasste zahlreiche Romane und Erzählungen, die ein internationales Lesepublikum erreichten, darunter etwa Morenga (1978), Rot (2001) und Ikarien (2017). Die feierliche Preisverleihung fand im großen Saal des Thalia Theaters am Alstertor statt.
Der Aufklärung verpflichtet
Der mit 10.000 Euro dotierte Lessing-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg wurde im Jahr 1929 anlässlich des 200. Geburtstages von Gotthold Ephraim Lessing vom Senat gestiftet: Die Preisträgerinnen und -träger sollen sich im Sinne Lessings den Maximen der Aufklärung verpflichtet fühlen und diese in ihrer literarischen und künstlerischen Arbeit zum Ausdruck bringen. Zu ihnen zählten in der Vergangenheit u. a. Hans Henny Jahnn, Hannah Arendt, Peter Weiss, Walter Jens, Max Horkheimer, Jean Améry und Jan Philipp Reemtsma.
Ein vielgelesener "Erinnerungsarbeiter"
Überreicht wurde der Preis vom Hamburger Senator für Kultur und Medien, Dr. Carsten Brosda, der Timm als "Erinnerungsarbeiter" bezeichnete: "Stets politisch, stets den Zeitläufen nachspürend veranschaulichen seine Bücher Humanismus und Geschichtsbewusstsein", so Brosda über Timm.
Mit Blick auf Timms facettenreiches Oeuvre besonders hervorzuheben ist seine Beschäftigung mit unbequemen Themen und Fragestellungen. So legte er mit Morenga (1978) einen Roman über die postkoloniale Geschichte Deutschlands vor, die zu dieser Zeit noch kaum Thema war. Er erzählt darin vom Aufstand der Herero und Nama gegen die deutsche Kolonialherrschaft im Jahr 1904. Bis heute wagen sich nur wenige Autorinnen und Autoren an eine solche literarische Aufarbeitung deutscher Kolonialgeschichte heran.
Dabei verbindet Timm intellektuellen Anspruch und Mut zu heiklen Themen mit einer fesselnden Erzählweise, die ihn zu einem viel und gern gelesenen Schriftsteller gemacht hat. In der Preisbegründung heißt es dazu passend: "Auf immer wieder überraschende Weise erzählt Uwe Timm von Kriegen und gesellschaftlichen Aufbrüchen, von Utopien und technischen Innovationen genauso wie von persönlichen und politischen Fehlschlägen, von Leidenschaften, Liebe und Betrug. Dieser Autor beschönigt nichts und besteht zugleich auf dem Prinzip Hoffnung. Nicht zuletzt dies verbindet ihn mit Gotthold Ephraim Lessing."
Quelle: Behörde für Kultur und Medien
Autor: VHSt
Fotos: Krafft Angerer
HBZ · 03/2022
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