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Polizeiwache 13

Spielbudenplatz um 1889 inklusive Polizei-Bezirks-Gebäude, Foto: (c) Museum für Hamburgische Geschichte/Jan Philipp K
Spielbudenplatz um 1889 inklusive Polizei-Bezirks-Gebäude, Foto: (c) Museum für Hamburgische Geschichte/Jan Philipp K

Das Amüsierviertel im Blick: die Davidwache auf St. Pauli.

Als der Hamburger Regisseur Jürgen Roland 1964 seinen halbdokumentarischen Kinofilm über Deutschlands wohl bekannteste Polizeistation drehte, unterlief ihm ein peinlicher Fehler: Er nannte sein Werk "Polizeirevier Davidswache". Obwohl der berühmte Filmemacher kein Quiddje war, platzierte er das Fugen-s zwischen "David" und "Wache". Leider falsch!

Doch für solche grammatikalischen Feinheiten dürften sich die Touristenscharen, die täglich mit großen Augen an dem schmalen Backsteinbau vorbeiziehen, kaum interessieren. Von innen lernen sie die Davidwache höchstens dann kennen, wenn sie als Zechpreller im Amüsierviertel St. Pauli überführt werden oder bis 2012 betrunken und krakeelend in eine der Zellen im Untergeschoss gesperrt wurden. Seitdem gilt ein der schmalen Treppe und den engen Gängen im altehrwürdigen Gebäude geschuldetes "Zellenverbot". Wegen Verletzungsgefahr werden Randalierer nun in benachbarte Wachen verbracht.

Von Fritz Schumacher gebaut


Hamburgs Oberbaudirektor Fritz Schumacher hatte das von den Ordnungshütern am 10. Dezember 1914 an der Ecke Spielbudenplatz/Davidstraße bezogene Gebäude mit Akribie entworfen: Außer Diensträumen für die Schutz- und Kriminalpolizei plante er sieben Arrestzellen, hohe und helle Zimmer für die "Sitte" zur medizinischen Untersuchung der Prostituierten und "eine Bedürfnisanstalt mit zwei bis drei Klosetts, die so gelegen sein muß, daß sie vom Beamtenzimmer aus überwacht werden kann, um ein Entweichen von Personen zu verhindern".

Mehrere Vorgänger


Die lange Geschichte der Polizeiwache begann aber viel früher. 1833 beschloss der Hamburger Rat, der damaligen Vorstadt "Hamburger Berg" den Namen St. Pauli zu geben - in Erinnerung an eine 1682 dort erbaute Kirche. In deren Umfeld ging es laut der Überlieferung seit Ende des 17. Jahrhunderts eher vergnügt als gesittet zu. In dem hafennahen Gebiet lockte am heutigen Spielbudenplatz ein Jahrmarkt mit Holzbuden.

Die Davidwache im Jahr 1994 und Hamburgs berühmteste Wache heute, Fotos: (c) Postkartenmotiv, gemeinfrei/stahlpress Medien
Die Davidwache im Jahr 1994 und Hamburgs berühmteste Wache heute, Fotos: (c) Postkartenmotiv, gemeinfrei/stahlpress Medien

Das Amüsierangebot wuchs mit den Jahren rasant. Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden ein Volkstheater, Bierbuden, Ballhäuser und Tanzpaläste, die neben vergnügungssüchtigen Bürgern auch dunkle Gestalten anzogen. Deshalb bewilligte der Hamburger Senat eine kleine, unscheinbare Polizeiwachstube, in die 1840 die ersten Ordnungshüter einzogen. Das Gebäude befand sich an der heutigen Ecke Kastanienallee/Davidstraße.

Die darin beheimateten Polizisten hatten schon damals reichlich zu tun. Erhaltene "Wachbücher" geben Kunde von der Vernichtung "obszöner Bilder" beim Bürger Schulze (1852), der Niederschlagung des Streiks der Schiffszimmerer (1860) und der Schließung des "Eldorado" wegen Veräppelung des Polizeimeisters von Altona in einem Theaterstück (1863). Mit der Größe des Amüsierviertels wuchsen die Aufgaben der Polizei, die 1868 einen Steinwurf entfernt den heutigen Standort am Spielbudenplatz bezog - ein 1854 im klassizistischen Stil erstelltes Gebäude des zwölf Jahre später aufgelösten Hamburger Bürgermilitärs. Nach 31 Jahren unter Obhut einer bürgerlichen Deputation wurde der "Polizeiwachdienst" 1871 als Polizeiwache 13 der Hamburger Polizeibehörde zugeordnet. Im Volksmund hatte sich zu diesem Zeitpunkt die Bezeichnung "Davidwache" längst etabliert - in Anlehnung an den alten Standort an der Davidstraße.

Neubau anfangs nicht beliebt


Nachdem die auf 72.000 Einwohner angewachsene Vorstadt St. Pauli 1894 auch formal Hamburger Stadtteil geworden war, erwies sich das vom Militär übernommene "Polizei-Bezirks-Gebäude" erneut als zu klein. Doch erst 16 Jahre später erhielt Fritz Schumacher den Auftrag für einen deutlich größeren Neubau. Diesen musste die Stadt gegen den erbitterten Widerstand der in der Nachbarschaft ansässigen Etablissements und Vergnügungsbetriebe durchsetzen - die Wirte und Veranstalter fürchteten wegen des Anblicks von Arrestanten um ihr Geschäft.

Es war einer der "längsten und größten Kräche in der Hamburger Städtebaugeschichte", konstatiert die Autorin Ingeborg Donati in ihrem 1990 veröffentlichten Buch über Die Davidwache. Doch der Senat blieb hart und setzte das Vorhaben auf dringenden Rat der Hamburger Exekutive um. In einer Rede vor der Hamburgischen Bürgerschaft hatte der erfahrene Polizeioberst Friedrich August Adolf Gestefeld am 15. Oktober 1912 mit eindringlichen Worten für den Standort geworben: "Die Polizei legt größten Wert darauf, die Wache am Spielbudenplatz zu halten, weil der polizeiliche Dienst in dieser Gegend ohnehin besonders schwierig ist."

Für den Neubau musste die zwischen der alten Wache und dem heutigen St.-Pauli- Theater gelegene öffentliche Bedürfnisanstalt weichen. Der Abriss der "Pissbude" musste abermals gegen den heftigen Widerstand ihrer Befürworter durchgesetzt werden. Nachdem auch der Streit um die Finanzierung des zunächst mit rund 110.000 Mark veranschlagten Baus beigelegt war, gaben Senat und Bürgerschaft grünes Licht für die inklusive Möbel letztendlich 171.000 Mark teure, Ende 1914 fertiggestellte Wache.

Heute steht der von einem markanten "Polizei"- Schriftzug gezierte Rotklinkerbau unter Denkmalschutz. Offiziell heißt Hamburgs berühmtes, nur 0,85 Quadratkilometer großes Polizeirevier übrigens erst seit 1970 "Davidwache".

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Autor: Reinhard Schwarz

HBZ · 07/2026
 
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