
Aufgeblättert: Buchtipp
Das ungebaute Hamburg
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| Buchcover: (c) Dölling und Galitz Verlag |
Es ist eine charmante Idee, die Visionen einer anderen - in diesem Fall: ungebauten - Stadt in einem dickbäuchigen Buch zu bündeln.
Gleich zu Beginn von
Das ungebaute Hamburg: Visionen einer anderen Stadt werden im Kapitel "Einzelbauten" gescheiterte Pläne des Größen-, besser Höhenwahns geschildert. Zu nennen sind: Hans Poelzigs Würfelhusten "Neubau des Messehauses" (1924), Konstanty Gutschows "Gauhochhaus" (1938) und diverse Entwürfe zur Bebauung des Areals an den Elbbrücken. Den Zuschlag erhielt bekanntlich der Elbtower- Entwurf, wobei immer noch nicht klar ist, in welche Kategorie der im Volksmund als "Kurzer Olaf " firmierende Monumentalbau in die Annalen eingehen wird: "gebaut" oder "ungebaut".
Hochaktuell ist die von Gert Kähler hintergründig nacherzählte Geschichte der gescheiterten Hamburger Olympiabewerbungen, der 2026 womöglich ein weiteres Kapitel hinzugefügt wird. Die Bewerbung scheiterte zuletzt 2015 am Votum der Bevölkerung. Auch der Volkssouverän im Bezirk Mitte bewies ein gutes Gespür für städtebauliche Zumutungen und lehnte den Bau einer Seilbahn über die Elbe ab - das Aus für die "Hafenshow", mit der die hanseatische Tourismuslobby geliebäugelt hatte. "Die Menschen in den weitgehend flachen Ebenen Nordeuropas sehen Seilbahnen nicht als elementare Bestandteile ihrer geografischen Erzählung", lautete der lakonische Kommentar des Architekturkritikers Dirk Meyhöfer dazu. Schöner kann man es wirklich nicht formulieren.
An Architektur und Stadtentwicklung Interessierte, die dieses Buch aufschlagen, werden es nicht mehr aus der Hand legen wollen. Ob Verlagerung der Universität, die City-West in Ottensen oder der Spielbudenplatz - die Beiträge sind gleichermaßen Gehirn- wie Augenfutter. Wer beispielsweise die visualisierten Ideen zur Gestaltung des Spielbudenplatzes in St. Pauli betrachtet, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Höhepunkt kreativer Idiotie ist der Vergnügungsdampfer Titanic, dessen Nachbildung dort auf Trockendock gelegt werden sollte. Wer alte Ansichtskarten von dem stadtteilprägenden Platz betrachtet, den überkommt Wehmut.
Hamburgische Architektenkammer/Ullrich Schwarz (Hg.): Das ungebaute Hamburg: Visionen einer anderen Stadt. Entwürfe von 1960 bis heute., Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 2025, 602 Seiten, 48 Euro
Autor: Volker Stahl
HBZ · 04/2026
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