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Einblick in das Überwachungsorgan der DDR

Das Stasimuseum

Das restaurierte Dehmelhaus von Südwesten
Das restaurierte Dehmelhaus von Südwesten

Familienangehörige, Kollegen, Nachbarn - überall in der ehemaligen DDR wurde notiert, aufgenommen und fotografiert.

Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), oder auch "Staatssicherheitsdienst", war unter dem Kürzel "Stasi" jedem ein Begriff. Dank der Initiative von Bürgerrechtlern entstand nach Auflösung des MfS am historischen Originalstandort in Berlin eine spannende Gedenkstätte, die heute 30 Jahre nach Auflösung des MfS Einblicke in die Welt der Spitzel, Opfer und Drahtzieher gibt.

Totale staatliche Kontrolle

Das Ministerium für Staatssicherheit wurde 1950 gegründet und 1957 bis 1989 von Erich Mielke geleitet. Mit der Schaffung der neuen zentralen Dienststelle des Ministeriums im Jahr 1961 in der Berliner Normannenstraße vergrößerte sich der Macht- und Aufgabenbereich der Behörde. Mielke konzentrierte sich nicht nur auf einen Zuständigkeitsbereich, sondern schuf auch viele Unterabteilungen. So wuchs die Stasi zum bewaffneten Arm der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), zur Geheimpolizei sowie zum In- und Auslandsnachrichtendienst mit zwanzig unterstellten Hauptverwaltungen.

Durch dieses komplexe Netzwerk und immer weiter ansteigende Mitarbeiterzahlen entstand ein totaler Überwachungsstaat, dem sich niemand entziehen konnte. Ende 1989 arbeiteten rund 95.000 Personen bei der Stasi. Hinzu kamen abertausende "inoffizielle Mitarbeiter (IM)". Bespitzelt wurde nahezu jeder. Im Fokus standen politische Gegner, Oppositionelle, Regimekritiker, Bürgerrechtler, Republikflüchtige, Kirchenangehörige und deren Angehörige sowie andere verdächtige Personen, die nicht im Sinne der DDR-Einheitsführung funktionierten. Akribisch wurden alle Stasierhebungen in einem gigantischen Archiv dokumentiert, das in der Weltgeschichte seinesgleichen sucht. In den berüchtigten Stasigefängnissen schreckte das Ministerium auch nicht vor Folter zurück, vor allem psychischer. Das Motto lautete: "Observation, Einschüchterung und Inhaftierung". Ein Forschungs- und Lehrfach an der Juristischen Hochschule des MfS war die "Operative Psychologie". Lehrinhalte waren Erscheinungen, Bedingungen, Gesetzmäßigkeiten, Erleben und Steuerung von Verhalten und Handlungen. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden sowohl zur gezielten Anwerbung und "Stabilisierung" von Mitarbeitern als auch zur systematischen "Zersetzung" politischer Gegner des SED-Regimes genutzt.

Privater Arbeitsraum von Erich Mielke
Privater Arbeitsraum von Erich Mielke

Antistalinistische Aktion

Nach den Unruhen der "friedlichen Revolution" und der Besetzung der Stasizentrale durch Demonstranten im Januar 1990 ergriffen Bürgerrechtler und Mitglieder des Berliner Bürgerkomitees die Initiative. Sie begannen, die historische Wirkungsstätte der ehemaligen "Unrechtsbehörde" zu sichern. Aus diesen Bestrebungen entstand wenige Monate später der Verein "Antistalinistische Aktion" (ASTAK e. V.), der bereits im November 1990 im Rahmen der Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße eine erste Ausstellung unter dem Titel "Wider den Schlaf der Vernunft" eröffnete. So wurde das Haus Nr. 1 des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit zur öffentlich zugänglichen Museumseinrichtung. Das Ziel des Museums war und ist es, die zentrale Sammlung als Gedenkstätte auszubauen und zu bewahren. In Zusammenarbeit mit anderen Stellen wie der Stasi- Unterlagenbehörde (vormals Gauck-Behörde) richtet sich die Ausstellung und Dokumentation nach themenspezifischen Forschungsanalysen zur DDRGeschichte. 2012 wurde das Museum schließlich in seiner heutigen Form mit der Dauerausstellung präsentiert, in Stasimuseum umbenannt und unter Denkmalschutz gestellt.

Dauerausstellung mit Originalräumen

In der lehrreichen Ausstellung wird der Wirkungsbereich der Stasi innerhalb der SED-Diktatur beleuchtet. Der Besucher erfährt vieles über Einflussbereich, Arbeitsweise und Methodik des Überwachungsapparates. Die zeitgeschichtliche Aufarbeitung und schonungslose Benennung von Tätern und Opfern spielen dabei eine wesentliche Rolle.

Auftrag und Täter

Bereits kurz nach der Gründung der DDR schuf das SED-Regime mit dem MfS eine Institution zur Absicherung seines Herrschaftsmonopols. Im ersten Stock geht es um Entstehung und Entwicklung der Stasi sowie um deren Mitarbeiter. Eingestellt wurde nur, wer den Ansprüchen nach bedingungsloser Loyalität gegenüber der SED und uneingeschränktem Bekenntnis zum Sozialismus im Dienst und Privatleben entsprach.

In einer 'Baumwurzel' versteckte Robot-Star-Kamera aus den 1970er Jahren
In einer 'Baumwurzel' versteckte Robot-Star-Kamera aus den 1970er Jahren

Die Minister-Etage

Im zweiten Stockwerk befindet sich einer der Kernpunkte der Ausstellung: die originalgetreuen Diensträume von Erich Mielke, die nach seinen Bedürfnissen geplant wurden. Seit der Fertigstellung des Hauses im Jahr 1961 blieb die Einrichtung der einzelnen Büros und deren Funktion weitgehend unverändert. Lediglich die Objekte und Unterlagen, die sich in den Räumen befanden, wurden später entfernt und archiviert.

MfS in Aktion

In der dritten Etage sieht man anhand von Fallbeispielen den MfS bei der Arbeit. Mit den beschafften Informationen konnte das MfS nicht nur von der SEDNorm abweichendes Verhalten erkennen, sondern auch Entscheidungen innerhalb der staatlichen Strukturen und so jeden Einzelnen in der DDR beeinflussen. Dazu gehörten nicht nur Reisegenehmigungen, sondern auch Zulassungen zum Studium, Beförderungen und vieles mehr. Die Ausstellung zeigt auch anschaulich, wie die anwachsenden Proteste der Bevölkerung gegen die SED-Regierung im Spätsommer 1989 zu dem Befehl des MfS zur Aktenvernichtung führten und wie der Versuch der Stasi von couragierten Bürgern durch Besetzung der Stasidienststellen und der MfS-Zentrale vereitelt wurde.

Die Ausstellung im Stasimuseum ist bemerkenswert, lehrreich und bedrückend, und das nicht nur mit Blick auf die Vergangenheit, sondern auch angesichts der Datenschutzherausforderungen unserer Zeit.

Fotos: Samira Aikas, Foto Stürmung der Stasizentrale: Bundesarchiv, Bild 183-1990-0115-034 / CC-BY-SA 3.0, Foto Honecker gratuliert Mielke: Bundesarchiv, Bild Y 10-0097-91 / CC-BY-SA 3.0, Fotos Abdruckkasten und Wappen mit Schild: © Stasimuseum, John Steer

Bildergalerie
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Autor: VHSt

HBZ · 03/2020
 
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