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Sagenumwobene Nacht der Mutter Erde

Wintersonnenwende

Meilenstein im Kalender unserer Vorfahren: die Wintersonnenwende, Foto: (c) Witchgarden, Pixabay.com
Meilenstein im Kalender unserer Vorfahren: die Wintersonnenwende, Foto: (c) Witchgarden, Pixabay.com
Die Wintersonnenwende ist die längste und tiefste Nacht des Jahres.

In nördlichen Breiten fällt der Zeitraum, in dem die Sonne die geringste Mittagshöhe erreicht, auf den 21. oder 22. Dezember. Als Pendant zur Sommersonnenwende, die zumeist zwischen dem 20. und 22. Juni stattfindet, dreht sie am ewigen Jahresrad der Erdhalbkugeln und hat seit den Tagen der frühen Menschheitsgeschichte eine ganz besondere Bedeutung.

Meilenstein im Kalender

In vielen frühen Kulturen besaßen das Universum, die Sternbilder, Planeten und vor allem die Sonne einen hohen Stellenwert. Aus bestimmten Konstellationen und Ereignissen entstanden unzählige Rituale oder Feierlichkeiten, die einen tiefen Glauben entwickelten. Auch die Wintersonnenwende war ein solches Ereignis, das über einen langen Zeitraum vergangener Jahrhunderte prägend wurde. Da nur wenige schriftliche Überlieferungen und kaum handfeste historische Nachweise vorliegen, gestaltet sich die wissenschaftliche Aufarbeitung schwierig. Heute gehen zahlreiche Experten davon aus, dass besonders die Kulturen der nordischen Volksgruppen die Wintersonnenwende als einen der wichtigsten Zeitpunkte des Jahres ansahen.

Wiedergeburt des Lebens

Die erste Hochkultur, die sich intensiv mit dem Lauf der Sonne in den nordischen Gefilden beschäftigte, waren die Kelten. Zu jener Zeit wurden wichtige Ereignisse, Glaube und auch Aberglaube geschürt, um von Sehern, Druiden, Stammesältesten, Zauberern oder auch Hexen verbreitet zu werden. Ohne den Rat derjenigen, die mit den Gottheiten in Verbindung standen, konnte kein Stammesführer oder Kriegsherr regieren. Die keltischen Glaubensgrundregeln gelangten nach England und verbreiten sich zunehmend über die Völker des Nordens. Im Laufe der Jahrhunderte vermischten sich einige Rituale, andere behielten ihre Bedeutung. Die Wintersonnenwende war ein Fest, denn mit der längsten Nacht des Jahres, die auch "Modranecht" oder "Mutternacht" hieß, begann die Wiedergeburt des neuen Lichtes und mit dem Licht kehrte das neue Leben zurück. Sinnbildlich entstieg das neue Sonnenlicht dem Schoß der Mutter Erde. Da mit dem alljährlich wiederkehrenden neuen Sonnenlicht der helle Schein über die Dunkelheit siegt, begründet sich der ewige Kreislauf des Lebens.

Bei den Wikingern und anderen nordischen Volksgruppen war die Bedeutung ähnlich. Nach den Überlieferungen aus der Edda, den Dichtungssammlungen aus dem 12. Jahrhundert, versucht um die Zeit der Wintersonnenwende ein großer dunkler Wolf, die Sonne zu vertilgen. Deshalb ist dieser Jahresabschnitt bei vielen noch bis heute bekannt als die Zeit des Wolfsmondes. Es sind die langen Nächte, in denen die Gottheit Odin und seine Gemahlin Frigg, in vielen Volksstämmen auch Frau Holle oder Percht genannt, sich auf die wilde Jagd begeben. Das Fest der Wintersonnenwende spendet dabei Wärme, Trost, Hoffnung und Mut, da das neue Licht den eigentlichen Kampf bereits gewonnen hat. Man muss bedenken, dass die Menschen es früher wesentlich schwerer hatten, durch einen langen Winter zu kommen. Es gab wenig Nahrung, Brennholz konnte knapp werden, das Vieh musste versorgt werden und die Winter waren um ein Vielfaches kälter als heutzutage.

Foto: (c) Pete Linforth, Pixabay.com
Foto: (c) Pete Linforth, Pixabay.com

Bräuche, Sitten und der Julbaum

Da die Nächte zur Wintersonnenwende lang waren, konnten die Menschen viele Rituale und Bräuche festigen, von denen einige in gewisser Form bis heute Bestand haben. Zur Wintersonnenwende wurde der Tisch reich gedeckt. Es gab Obst, Nüsse und selbst gebackene Kuchen. Viele Volksgruppen des Nordens schmückten einen draußen stehenden Baum oder stellten sich einen gefällten Baum in das Langhaus: den Julbaum, der aufwendig mit Äpfeln, Rosenblüten, kleinen mit Kräutern gefüllten Säckchen und allerlei Firlefanz geschmückt wurde. Aus immergrünen Nadelzweigen wurden Kränze geflochten. Der Lichterkranz, auf dem fünf Kerzen brannten - vier, wie wir es heute vom Adventskranz kennen, und eine in der Mitte als Kerze für das Jahr -, symbolisierte die Vorfreude auf das große Fest.

Erst am Tag der Wintersonnenwende brennen alle Kerzen auf dem Lichterkranz. Das Sonnenwendfeuer draußen in der Nacht verkündet den Sieg der Sonne über die Finsternis. Die darauf folgende Zeit verkörpert den Übergang in die Raunächte, die vor allem für Hexen eine tiefgründige Bedeutung hatten. Noch heute ist dieser Zeitraum für spirituelle Gruppen und Naturreligionen wie die Paganisten und Wicca wichtig, denn in der ersten Raunacht findet der Geist zum Ursprung des eigenen Ichs zurück. Die wiedererlangte Kraft durch die Besinnung auf die individuelle Quelle lässt es zu, die kommenden Raunächte gut zu überstehen.

Quellen: "Der alte Pfad und die Raunächte", Alexa Szeli, BoD - Books on Demand, 2. Edition, 2020; "Die Edda - Germanische Göttersagen aus erster Hand", Walter Hansen, Ueberreuter, 1981; en.wikipedia.org/ wiki/Solstice; Jahreskreis.info/files/wintersonnenwende; timeanddate.de

Fotos: Pixabay.com: Jahreszeitenkreis © Witchgarden, Stonehenge © Pete Linforth

Autor: VHSt

HBZ · 12/2020
 
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