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Denkmal für einen Sklavenhändler

Schimmelmanns unrühmliche Geschichte

Das Schimmelmann-Mausoleum an der Christuskirche in Hamburg-Wandsbek, Foto: (c) Olaf Witt
Das Schimmelmann-Mausoleum an der Christuskirche in Hamburg-Wandsbek, Foto: (c) Olaf Witt
Wer nach einem Spaziergang durch Wandsbeks ZOB Stille in der benachbarten Kirche sucht, dem ist bestimmt schon der weiße Kuppelbau aufgefallen, der wie aus der Zeit gefallen auf einer Verkehrsinsel der Moderne trotzt.

Es ist das Mausoleum von Heinrich Carl Schimmelmann und seiner Gattin Caroline Tugendreich, empfindsam besungen von Matthias Claudius. Das Mausoleum gilt als eines der Hauptwerke des Klassizismus in Norddeutschland. Auch eine Straße wurde nach Schimmelmann benannt, aber wer war er eigentlich?

Unternehmergeist und Ehrgeiz

Geboren wurde er 1724 in Demmin. Sein Vater hatte den jüngsten Sohn zum Erben seines Geschäfts ausersehen und schickte ihn in die Lehre zu einem Seidenwarenhändler in Stettin. Doch Stoffe messen und Pfennige zählen waren dem plietschen Jung nicht genug. Er gründete ein Transportunternehmen in Hamburg und erlitt einen "beträchtlichen banqueroute" (der kaiserliche Gesandte in einem Bericht nach Wien). Nach seinem Umzug nach Dresden heiratete er 1747 die 17-jährige Carolline Tugendreich Friedeborn.

1756, zu Beginn des Siebenjährigen Krieges, besetzten preußische Soldaten die sächsische Hauptstadt. Schimmelmann als preußischer Staatsbürger sollte für die Getreideversorgung der Armee sorgen, was ihm ohne Schwierigkeiten gelang. So war die erste Million schnell verdient. Als ihm die von der preußischen Armee beschlagnahmten Lagerbestände der Meißener Porzellanmanufaktur angeboten wurden, zahlte er dafür 100.000 Taler, verkaufte einen Teil für 130.000, kaufte vom Käufer einen Teil zurück und verließ Sachsen in Richtung Hamburg, wo er weiter als Heereslieferant für die Preußen wirkte. Statt Getreide lieferte er jetzt Edelmetalle in Münzen oder Barren. Ein Projekt, bei dem für ihn genug Silber abfiel, um sich ein Stadtpalais am Michel leisten zu können. Und weil es ein Schnäppchen war, kaufte er auch das Schloss in Ahrensburg.

Verpöhnter Preuße, beliebter Däne

Ahrensburg gehörte zu Dänemark, sodass Schimmelmann jetzt dänischer Untertan war. In Sachsen galt er wegen seines Porzellancoups als Persona non grata, in Hamburg war er als Parvenu trotz seiner Palaispartys und Porzellanauktionen nicht sonderlich beliebt und in Preußen nahm man ihm übel, dass er sich dort nicht etablierte. In Kopenhagen dagegen bewunderte man das Finanzgenie als einen "Mann voller Feuer und Ideen, der von seinem immensen Vermögen sehr guten Gebrauch macht" (A. E. Bernstorff, Neffe des dän. Außenministers). 1761 wurde Schimmelmann dänischer Beamter, bald darauf zum Baron erhoben mit Wohnsitz in einem Palais in der Bredgade, Kopenhagens bester Wohngegend.

Kopenhagen war Hauptstadt des Dänischen Gesamtstaates, zu dem auch Norwegen, Island und Schleswig-Holstein sowie ab 1666 auch 359 Quadratmeter verteilt auf drei Eilande in der Gruppe der Jungferninseln gehörten. Wer eine Karibikinsel sein eigen nannte, ließ dort Zucker produzieren, der sonst teuer hätte importiert werden müssen. Die Zuckerproduktion war ein derart lukratives Geschäft, dass 1666 die Holländer Manhattan den Engländern im Tausch gegen das profitablere Surinam überließen.

Karriere als Waffen- und Sklavenhändler

Seit den 1760er-Jahren waren die dänischen Staatsfinanzen marode. Baron Schimmelmann sollte sanieren. Als die königlichen Zuckerplantagen privatisiert werden sollten, erwarb der Baron 1763 vier von Sklaven bewirtschaftete Plantagen, auf denen er seinen Neffen 1768 als Inspektor einsetzte, sowie die Zuckerraffinerie nahe Kopenhagen.

Trotz Einhaltung dänischer Mindeststandards bei der Sklavenhaltung flohen viele und die Geburtenrate war nahe null, weswegen kontinuierlich Sklaven aus Afrika in die Karibik verschleppt werden. Schimmelmann erkannte das Potenzial, erwarb Schiffe und schickte sie nach Westafrika, wo nicht nur die Dänen im heutigen Ghana Handelsstationen unterhielten. Die einheimischen Kleinkönige an der Küste organisierten für die Weißen Expeditionen ins Hinterland. Kehrten sie mit Gefangenen zurück, erhielten sie für ihre "Beute" von den Europäern im Tausch Rum und Kattun, den die Fa. Schimmelmann als Beipack lieferte. Die Soldaten in den Handelsstationen und die Sklavenjäger benötigten Gewehre, weil die Bewohner des Hinterlandes Widerstand leisteten. Hier war Baron Schimmelmann behilflich. 1768 hatte er dem König die Kronborg-Gewehrfabrik abgekauft, was sich für ihn als gute Investition herausstellte, denn nun verdiente er auch Geld als Waffenhändler.

Das Geschäftsmodell bekam später die Bezeichnung "Atlantischer Dreieckshandel": Rohstoffe aus der Karibik wurden in Europa veredelt, die Fertigprodukte in Afrika gegen Sklaven getauscht, die wiederum nach Amerika transportiert wurden. Der dänische Anteil war gering, Herr Schimmelmann jedoch am Ende seines Lebens 1782 der zweitreichste Mann Dänemarks und einer der reichsten Männer Europas.

Fragwürdige Ehrungen

Während das Mausoleum Begräbnisstätte und Baudenkmal ist, wurde die Schimmelmannbüste, die 2006 gegenüber dem Wandsbeker Rathaus aufgestellt wurde, bereits zwei Jahre später nach Protesten wieder entfernt. Eine Straße in Hamburg-Marienthal ist allerdings immer noch nach Schimmelmann benannt.

Quellen: Christian Degn Die Schimmelmanns - Gewinn und Gewissen K. Wachholz Verlag 1974; Wikipedia: de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Carl_von_Schimmelmann

Autor: Olaf Witt
Fotos: Olaf Witt

HBZ · 05/2021
 
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