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Wat(t) soll dat denn?

Wattpötte aus Nordseeschlick

Michael Claußen in seinem Ladengeschäft, Foto: (c) Samira Aikas
Michael Claußen in seinem Ladengeschäft, Foto: (c) Samira Aikas

Die handgefertigten und liebevoll dekorierten Wattpötte der Töpferei Claußen in Brunsbüttel sind längst zu kleinen Kultobjekten für Elbeund Nordseeliebhaber avanciert.

Wir haben das Familienunternehmen, das als einziges Teller und Becher aus echtem Watt herstellt, besucht und durften, wie jeder Besucher der Töpferei, bei der Fertigung eines Wattpotts über die Schulter schauen.

Watt zu Watt

Das Familienunternehmen wurde vor rund 65 Jahren von Christel und Hasso Claußen als herkömmliche Töpferei gegründet und wird nun in zweiter Generation von ihrem Sohn Michael geführt. Hasso, der leider 2016 verstarb, und Christel Claußen waren mit dabei, als ihrem Sohn Michael die Idee zur Geburtstunde der Wattkeramiken kam. Die Töpferei bekam einen Stand bei der alle zwei Jahre stattfindenden "Wattolümpiade". Während seiner Berufsschulzeit hatte er schon einmal mit Watt getöpfert und dachte sich "Watt und Watt - das passt!" Gemeinsam mit seinen Eltern begann das Tüfteln und Probieren, da Watt andere thermische Eigenschaften besitzt als Ton. Etwas zehn Jahre später hatte Claußen die besten Rezepturen für die Farben und Glasur gefunden. 15 Jahre später, stehen seine Wattpötte heute in puncto Design, Stapazierfähigkeit und Haltbarkeit den Pötten aus Steinzeug in nichts nach und machen rund 70 Prozent der Produktion aus. Nur größere und aufwendigere Keramiken, wie Lampen, Skulpturen und ähnliches fertigt er ausschließlich aus Steinzeug an. Sorge um Nachahmer hat Claußen nicht, da die Töpferei mit Wattschlick wesentlich zeitintensiver und aufweniger ist, als die mit Ton bzw. Steinzeug.

Christel Claußen und Nadja Wulff beim Verzieren der Wattpötten (l.)
Christel Claußen und Nadja Wulff beim Verzieren der Wattpötten (l.)

Von der Ebbe auf die Töpferscheibe

Mit Gummistiefeln, Schaufel und Eimer bewaffnet holt sich Michael Claußen, wenn er Nachschub braucht bei Ebbe aus dem Schlick der Elbe-Nordseemündung seinen Rohstoff. Aus dem Watt siebt er Sand und Verunreinigungen heraus und entwässert den gereingten Wattschlick aus der Schüssel. Die Masse wird auf Gipsplatten, die nochmals Feuchtigkeit entziegen, getrocknet und unter Plastik oder feuchten Tüchern zwei bis drei Wochen gelagert.

Bevor das Drehen auf der Töpferscheibe losgehen kann, wird die Masse noch kräftig durchgeschlagen und gewalkt, damit das je nach Entnahmeort und -zeit unterschiedlich gefärbte Watt sich zu einer homogenen Masse vermischt. Je nach Eisenoxidgehalt ist das Watt eher gelblich oder bräunlich. Portionsweise, immer genug für einen Pott, wird die Masse auf der Töpferscheibe zu einem Wattpott gedreht. Töpfermeister Michael Claußen ist für das Drehen alleine verantwortlich. Seine 85jährige Mutter und seine Gesellin, Nadja Wulff kümmern sich um die Verzierungen. "Nadja hat zwar bei ihrer Gesellenprüfung als Landesbeste abgeschnitten, aber das Drehen liegt ihr nicht so sehr wie das Bemalen", sagt Claußen. Der fertige Becher ist nun "lederhart" und noch nicht "gehenkelt". Nachdem der Henkel angebracht und somit der Becher "garniert" ist, werden die Pötte dekoriert.

Töpferei Claußen

Töpferstraße 2
25541 Brunsbüttel
Tel.: (04852) 515 00
E-Mail: kunstkeramik@t-online.de
www.kunstkeramik.de
Öffnungszeiten des Ladens:
Montag bis Samstag: 8 bis 18 Uhr


Töpfermeister Claußen
Töpfermeister Claußen

Saisonale oder ganz persönliche Wattpötte

Am häufigsten malen Christel Claußen und Nadja Wulff typisch norddeutsche und maritime Motive auf die Pötte, aber auch Sonderwünsche für Hochzeiten, Namenspötte und saisonale Designs wie Weihnachtswattpötte sind sehr gefragt. Sobald die Farbe getrocknet ist, darf der Wattpott das zum Vorbrennen bei 900 Grad in den sechsflammigen Brennofen. Anders als bei Steingut, der nach gar nichts riecht, kann man beim Watt die organischen Anteile durch den leicht modrigen Geruch, der beim ersten Brennen durch das Ausbrennen austritt riechen. Danach sind die Pötte schon fest und werden mit der Claußen-Transparent- Wattspezialglasur überzogen, die nach dem zweiten Brennen mit 1.200 Grad die Farben zum Leuchten bringt. Nach dem Abkühlen, werden etwaige überstehende Teile mit dem Drechseleisen abgedrechselt und der Wattpott ist fertig und sogar spülmaschinenfest. Für durchschnittlich rund 20 Euro gibt es die Original-Wattpötte aus Brunsbüttel im Ladengeschäft, per E-Mail- oder als telefonische Bestellung.

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Autor: VHSt
Fotos: Samira Aikas

HBZ · 11/2020
 
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