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Titelfoto: © Eine Lochkarte war das Vorbild für die Fassade des Kallmorgen Tower, Foto: (c) stahlpress Medienbüro

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Die HBZ-Redaktion zu Besuch bei Frau Gretel Hardeland

Der VHSt - mehr als ein Verein! Die meisten Mitglieder kommen aus den verschiedensten Bereichen des öffentlichen Dienstes in Kommunen, Ländern und Bund. Viele führen oder führten oft interessante, nicht alltägliche Funktionen aus.

In lockerer Folge stellen wir Ihnen einzelne Mitglieder vor, um aufzuzeigen, wie verschieden und einzigartig sich die VHSt-Familie zusammensetzt.

Diesmal ist die HBZ-Redaktion zu Besuch bei Frau Gretel Hardeland in Ihrem Häuschen im Luftkurort Schneverdingen, umgeben vom Naturschutzgebiet Lüneburger Heide mit ausgedehnten Heideflächen, stillen Mooren, Weiden und Äckern.

"Ein lebenswerter Ort, wo sie sich nach einem turbulenten Arbeitsleben niedergelassen hat, hier gerne wohnt und ihren Ruhestand geniesst", wie sie uns gleich zu Beginn unserer Unterhaltung versicherte. Vor kurzem feierte sie ihren 83. Geburtstag bei guter Gesundheit und geistiger Fitness.

1929 geboren und aufgewachsen in der Märkischen Heide in Finsterwalde/ Niederlausitz erlebte sie die Kriegsjahre 1942 bis 1945 als junges Mädchen. Mit 13 Jahren versah sie als Jungmädel nachmittags nach der Schule ihren Dienst beim "Lazaretteinsatz". Immer mehr Schlüsselerlebnisse muss sie dort erfahren, besonders im schrecklichen Winter 1942/1943, als der deutsche Rückzug im Osten begann und junge Menschen, kaum älter als sie, mit schlimmsten Verwundungen hier eingeliefert wurden. Ihr Vater war im Kriegseinsatz und ihre Mutter wurde zur Arbeit in einem Elektromotorenbetrieb zwangsverpflichtet. Weihnachten 1944 war es für sie das erste Weihnachtsfest, wo ihr Vater nicht zu Hause war. Noch heute erinnert sie sich genau. Am 16. April 1945 mussten sie ihren Heimatort verlassen und es begann eine abenteuerliche Flucht über das zerstörte Dresden, Königsstein und Prag nach Salzburg in Österreich. Sie wurden in einem Flüchtlingslager und später in einer Familie untergebracht. Aber bereits im Oktober 1945 mussten dann alle Reichsdeutschen das Land verlassen. Nach einer Odyssee im offenen Güterwagen erreichten sie Essen, wo sie bei ihrem Onkel behelfsmässig unterkamen. Im Sommer 1946 entschlossen sie sich mit gemischten Gefühlen zur Rückkehr nach Finsterwalde (SBZ) aufgrund der flehenden Bitte ihrer Grosseltern, da sonst die Wohnung beschlagnahmt werden sollte.

Ihr altes Realgymnasium hatte den Schulbetrieb aufgenommen und sie konnte wieder am Unterricht ihrer alten Klasse teilnehmen. 1948 erhielt sie ihr Abiturzeugnis. Frau Hardeland bewarb sich beim Amtsgericht Finsterwalde und absolvierte eine Ausbildung als Rechtspflegerin. Nach der Prüfung bekam sie eine Rechtspflegerstelle beim Amtsgericht Luckenwalde und wurde 1951 zur Staatsanwaltschaft nach Potsdam versetzt. Viele unglaubliche negative Erfahrungen in ihrer täglichen Arbeit veranlassten sie zur Kündigung. Wieder in Finsterwalde nahm sie eine Tätigkeit als Rechtssachbearbeiterin in einem schwedischen Unternehmen in staatlicher Verwaltung auf. Sie heiratete dann 1956 ihren langjährigen Hamburger Freund, beantragte die legale Ausreise in den Westen und erreichte mit offizieller Genehmigung im April 1957 Hamburg.

"Natürlich hätte ich sicherlich sofort als Justizinspektorin arbeiten können, aber die schrecklichen Erfahrungen im Strafrecht der DDR hielten mich davon ab", erläuterte sie uns.

Nach ein paar Jahren Tätigkeit in der Privatwirtschaft und anschliessend beim Personalärztlichen Dienst der FHH nahm sie als Verwaltungsangestellte eine Beschäftigung in der Baubehörde - Amt für Bodenordnung - auf. Sie bewarb sich um die Inspektorenlaufbahn, absolvierte erfolgreich die Ausbildung mit Besuch der Verwaltungsschule und wurde 1974 ins Beamtenverhältnis übernommen. Stammbehörde blieb die Baubehörde, wo sie bis zu Ihrer Pensionierung im Februar 1991 in verschiedenen Dienststellen, wie z. B. in der Personal- und in der Stadtbauabteilung tätig war.

An ihre Zeit im hamburgischen öffentlichen Dienst denkt sie gerne zurück. Einer ihrer damaligen Chefs, Senatsdirektor Dr. Reusch, ist ihr heute noch besonders gut in Erinnerung geblieben.

"Zu meinem Hobby gehört irgendwie das Schreiben", wie sie es formulierte. "Schon im Mädchenalter führte ich mit Akribie mein Tagebuch und schrieb auch gerne Aufsätze, die in der Schule stets mit gut und besser bewertet wurden. Auch musste ich während meines Lazarettdienstes viele, viele Briefe an unbekannte Soldaten verfassen, dies gehörte auch zu meinen Pflichten. Allerdings fiel es mir einmal aufgrund meiner Erfahrungen im Lazarett sehr schwer, den Schulaufsatz mit dem Thema Ehre und Treue gebietet es, die Heimat zu schützen zu schreiben", ergänzt sie ihre Ausführungen.

Frau Hardeland ist davon überzeugt, dass es wichtig ist, Erinnerungen zu bewahren und weiterzugeben, dabei aber die Gegenwart nicht zu vergessen.

Und vor allem ist sie auch mit über 80 Jahren nicht bereit, die Augen und Ohren zu verschliessen, was heutzutage um uns herum und in der Welt geschieht. Sie macht sich Gedanken über bedenkliche Entwicklungen im Umgang miteinander, behält aber ihren Optimismus und Humor dabei.

Deshalb hat sie in drei Buchausgaben mit den Titeln "Kreuz und Quer durch gestern und heute", "Vergangen?.... Vergessen?" und "Erlebt-Erdacht Geträumt - Gelacht" ihre Gedanken und Erinnerungen an eine bewegte Zeit niedergeschrieben. Die Bücher sind im August von Goethe Literaturverlag erschienen.

Natürlich interessierte uns auch die Frage, wie sie zum VHSt gekommen ist. "Zum VHSt kam ich durch einen Hinweis meiner Kollegin. Ausschlaggebend für den Eintritt waren die vielen günstigen Konditionen, die sich damals bei meinen Einkäufen über die Vereinsmitgliedschaft in barer Münze auszahlten. Aber auch die monatliche Mitgliederzeitschrift HBZ mit vielen interessanten und wichtigen Informationen über die hamburgische Verwaltung interessieren mich auch noch heute sehr", und mit einem gewissen Stolz fügte sie hinzu, " seit über 40 Jahre bin ich Mitglied im Verein; vor einigen Jahren wurde mir die Goldene Ehrennadel überreicht".

Mit einem herzlichen Dankeschön für die interessanten Informationen und guten Wünschen für die Zukunft verabschiedeten wir uns bei strömenden Regen. Aber auch im regnerischen Wetter war die Fahrt zurück durch die faszinierende Heidelandschaft ein Erlebnis und wirklich entspannend.

Zum Abschied bot uns Frau Hardeland an, interessierten Mitgliedern im Rahmen einer Kaffeetafel ihre Erlebnisse und auch ihre Bücher mit Leseproben vorzustellen, wie sie es auch auf der Büchermesse in Leipzig erfolgreich getan hatte. Der Vorstand nimmt dieses Angebot gerne an und wird die Veranstaltung rechtzeitig in einer der nächsten HBZ-Ausgaben ankündigen.

Autor: VHSt

HBZ · 02/2012
 
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