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Hamburgs Partnerstädte

Marseille: die älteste Stadt Frankreichs

Die Statue der Notre-Dame überblickt die Stadt, Foto: © NDG.Fotolia_169016234_XXL/Fotolia.com/OTCM
Die Statue der Notre-Dame überblickt die Stadt, Foto: © NDG.Fotolia_169016234_XXL/Fotolia.com/OTCM

Nachdem wir Ihnen in der letzten HBZ im ersten Teil dieser Serie Hamburgs Partnerstadt St. Petersburg vorgestellt haben, ist dieses Mal Marseille an der Reihe.

Die südfranzösische Hafenstadt am Golfe de Lion, einer Bucht des Mittelmeers, ist nicht nur eine bedeutende europäische Hafenstadt, sondern auch die älteste und nach Paris zweitgrößte Stadt Frankreichs. Die freundschaftliche Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und Marseille besteht seit über 60 Jahren.

Die Legende um Marseille

Einer antiken Legende nach entstand die Stadt, als griechische Seefahrer die Mittelmeerküste befuhren. Ein keltischer König namens Nann suchte einen Ehemann für seine Tochter. Er wählte unter allen versammelten Freiern den Anführer der Griechen. Nach der Heirat gründeten Griechen und Kelten gemeinsam die erste Siedlung. Nachweisbar ist, dass die Griechen der Antike den natürlichen Hafen von Marseille regelmäßig auf ihren Handelsrouten aufsuchten. Um etwa 620 v. Chr. gründeten die Griechen dank einer Landschenkung eine dauerhaft bewohnte Siedlung (Apoikie) und nannten sie Massalia, was später in das heutige Marseille umbenannt wurde.

Blick vom Hafen auf Notre-Dame de la Garde, Foto: (c) JoYana
Blick vom Hafen auf Notre-Dame de la Garde, Foto: (c) JoYana

Hamburg und Marseille: starke Partner

Im Juli 1958 unterzeichneten der damalige Hamburger Bürgermeister Max Brauer und sein Marseiller Amtskollege Gaston Defferre die Erklärung zur Städtepartnerschaft. Der Text wirkt heute fast wie aus der Zeit gefallen, ist aber sinnbildlich für das damalige Verlangen, nach dem Zweiten Weltkrieg dauerhaften Frieden zu schaffen. So weist die Präambel auf den tiefen Wunsch der Bürger hin, ihren Bedürfnissen gerecht zu werden. Sie erzählt von den erworbenen Freiheiten der beiden Städte, welche errungen wurden, um im Laufe der weiteren Geschichte in einer freien, humanen Welt zu leben. Ziel war es, ständige Verbindungen zwischen den handelnden städtischen Organen zu gewährleisten und einen regen Austausch zwischen den Bewohnern möglich zu machen. Im Sinne der Aussöhnung der beiden Völker sollte ein Gefühl der Verbundenheit gefördert werden, welches beidseitigen Wohlstand, Akzeptanz und Frieden schaffen sollte.

Französische Flüchtlinge in Hamburg

Schon im 16. Jahrhundert gelangten viele protestantische Franzosen infolge der Hugenottenkriege in die Hansestadt. Weitere Einwanderer kamen durch die Wirrungen der Französischen Revolution nach Hamburg. Zahlreiche von ihnen blieben und prägten zu Teilen das Bild der weiteren städtischen Entwicklung. So tragen noch heute einige der etablierten hanseatischen Handelshäuser den französischen Namen aus ihrer Gründungszeit. Außerdem zeigten sich viele der vermeintlich biederen Hanseaten durchaus aufgeschlossen gegenüber den Veränderungen im Zeitalter der Aufklärung, liebten die feinen Künste, die Musik und das Schauspiel. So geht beispielsweise auch die Gründung des heutigen Thalia-Theaters auf einen französischen Migranten zurück. Allerdings gab es auch tiefe Einschnitte, wie den Deutsch-Französischen Krieg von 1871 mit der anschließenden Krönung von Kaiser Wilhelm dem Ersten in Versailles und die beiden Weltkriege, welche in unsagbarem Leid endeten.

Überwindung von Ressentiments

Dennoch gelang das scheinbar Unmögliche: Trotz der oft zitierten Erzfeindschaft kam es zu einer ersten Aussöhnung, bei der sich zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges auch die beiden Hafenstädte annäherten.

Bereits ein Jahr nach dem partnerschaftlichen Städteschwur kam Bewegung in die Zusammenarbeit. Zunächst ebneten gegenseitige Kontakte und Besuche den Boden für weitere Maßnahmen, vor allem in der wirtschaftlichen Städteentwicklung, die beide Metropolen nahezu gleichzeitig bewältigten. Vorbildlich beim städtepartnerschaftlichen Vorangehen zeigte sich besonders das Handwerk: Im Jahr 1963 schlossen die beiden Handwerkskammern ein enges Partnerschaftsabkommen. In der Bildung und im gesellschaftlichen Kulturwesen kam es zu Schulpatenschaften, gegenseitigen Stipendien und zum Austausch von Dozenten untereinander.

Fort Saint-Jean, Foto: Pixabay.com - Rabasse
Fort Saint-Jean, Foto: Pixabay.com - Rabasse

Amicale de Hambourg

Besonders Mitte der 1960er-Jahre verstärkte sich die Intensität der Kooperationen. Marseille und Hamburg standen vor gemeinsamen Problemen, beispielsweise der Wirtschaftlichkeit der Häfen, dem Ausbau des innerstädtischen Nahverkehrs, der wachsenden Kriminalität und steigenden Wohnungsnot. Das Überwinden der Schwierigkeiten stärkte die Verbindung der beiden Städte.

Neben den klassischen Feierlichkeiten und Veranstaltungen zu den runden Jubiläen traten einige Organisationen bei den aktiven Verbindungen zwischen der Hansestadt und Marseille hervor. Eine davon ist die deutsch-französische Gesellschaft "Cluny e. V. Hamburg", die sich bereits im Jahr 1947 gründete, oder der im Jahr 1964 ins Leben gerufene Geschäftsleutekreis "Amicale de Hambourg". Seit der Jahrtausendwende haben sich viele Teile der städtepartnerschaftlichen Zusammenarbeit verselbstständigt. Die Kooperationen sind von den politisch Verantwortlichen auf diverse Privatinitiativen übergegangen, die seit dem im regen Austausch stehen und sehr aktiv sind.

Reger Austausch auf vielen Ebenen

Wichtige Anlaufstellen sind zum Beispiel der gemeinnützige Bildungsverein "Arbeit und Leben e. V. Hamburg" oder der Verein "Hamburg Accueil e. V.", welcher sich den kulturellen Belangen der in Hamburg lebenden Franzosen widmet. Vom Chor der Hamburger Liedertafel über das Austauschprogramm der staatlichen Hamburger Gewerbeschule bis zu Sprachkursen und der französischen Schule in Hamburg zeigen sich viele Erfolge der Städtepartnerschaft von Marseille und Hamburg. Sie zeigt eindrucksvoll auf, dass die Überwindung von Ressentiments und einer furchtbaren gemeinsamen Vergangenheit positiv bewältigt werden kann.

Quellen: Hamburg.de (Marseille), Die Zeit, Ville de
Marseille, Marseille Tourisme - marseille-tourisme.com

Fotos: Marseille Tourist office (OTCM): E.Lamy; Yoan.Navarro; JoYana; Fotolia, OTCM, ADD, OTCM/FLC; restliche Fotos von Pixabay.com: Skulptur: Pablo Valerio; Cathédrale: Samuele Schirò; Fort Saint-Jean: Rabasse; Altstadt-Hafen: RD LH; Postkarte: janeb13; Leuchtturm: Wendy Corniquet, Altstadt: Caro Sodar


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Autor: VHSt

HBZ · 07/2020
 
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